Die LRM – Sicherheitsseminare erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Im Interview gibt der Fachverantwortliche Seminarleiter Jürg Hermann Einblicke in die Seminare über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Für ihn ist Gesundheitsschutz aktives Führen – und zwar Führen mit Herz und Verstand. Jürg Hermann wünscht sich, dass der Stellenwert der Arbeitssicherheit im Betrieb noch mehr an Bedeutung gewinnt.


Welche Gesetze regeln die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer?

Das Obligationenrecht, das Unfallversicherungsgesetz das Arbeitsgesetz und im Ereignisfall das Strafgesetzbuch sind die gesetzlichen Hauptgrundlagen für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz in der Schweiz.

 

Der Arbeitgeber wird hier in die Verantwortung genommen. Was sind die Folgen eines Verstosses?

Der Arbeitgeber hat die Pflicht a) die Sicherheit im Betrieb zu organisieren, b.) die Mitarbeiter nachweislich zu schulen, c) dem Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.

Das Durchführungsorgan (SUVA) führt sporadische Kontrollen durch. Bei Regelverstössen können Sanktionen verfügt werden. Im Ereignisfall (z.B. schwere Körperschädigung, Tod) kann der verantwortliche Arbeitgeber straf- und zivilrechtlich belangt werden.

 

Was für einen Beitrag kann ein Seminar in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz hier leisten?

Der Arbeitgeber erfüllt zuerst einmal seine gesetzliche Pflicht, in dem er seine Mitarbeiter regelmässig schult. Desweitern werden die Mitarbeiter zum vorsichtigen Verhalten motiviert und zur gesetzlich vorgeschriebenen Mitwirkung angehalten. Das Hauptziel bleibt jedoch die Gesunderhaltung des Mitarbeiters.

 

Der SUVA Homepage ist zu entnehmen, dass Stolpern und Stürzen in der Schweiz die häufigste Unfallursache ist. Allein am Arbeitsplatz ereignen sich jährlich 60 000 Sturzunfälle (= Berufsunfälle). Hinzu kommen noch einmal rund 110 000 Nichtberufsunfälle von Arbeitnehmenden in Haushalt und Freizeit. Die Kosten – über 1 Milliarde Franken – sind hoch. Wie kann ein Seminar die Mitarbeitenden hinsichtlich Gefahren und Schutzmassnahmen sensibilisieren?

Steter Tropfen höhlt den Stein. Wir wollen immer wieder auf lauernde Gefahren aufmerksam machen, ein stetiger Prozess. Permanent erhalten wir von Seminarteilnehmern Feedback zu den Gefahren. Somit verfügen wir über einen grossen Erfahrungsschatz, der ständig zunimmt. Mit diesem breiten Wissen und unserer Fachkompetenz sensibilisieren wir die Kursteilnehmer.


Das Hauptziel bleibt jedoch die Gesunderhaltung des Mitarbeiters.“

Jürg Hermann

Solche Seminare kosten Zeit. Der Produktionsausfall wiegt schwer.

So viel Zeit muss sein. Ich möchte hier aber nicht mit den gesetzlichen Bestimmungen argumentieren. Wenn als Folge dieses Seminars nur ein „Unglück“ vermieden werden kann, dann sind Zeit und Kosten des Seminars mehr als gerechtfertigt. Oder anders formuliert, solche Seminare sind eine lohnende Investition für die Unternehmung.

 

Sind die Kurse Parifonds Bau-leistungsberechtigt?

Ja, Baustellenpersonal und Kadermitarbeiter bis und mit Poliere sind Parifonds Bau-leistungsberechtigte Kursteilnehmer.

 

Ist es nicht gerade der Zeit- und Termindruck der zu erhöhter Unfallgefahr führt?

Nicht zwingend! Gut geschulte und motivierte Mitarbeiter, sowie eine gut organisierte Baustelle führen zu mehr Effizienz und Sicherheit auf der Baustelle. Zeit spart man mit optimaler Vorbereitung und in dem man die „Betroffenen“ zu Beteiligten macht. Gemeinsame Zielvereinbarungen und Vertrauen stärken die Mitwirkung und die Bereitschaft Überdurchschnittliches zu leisten.


Oder anders formuliert, solche Seminare sind eine lohnende Investition für die Unternehmung.“

Jürg Hermann

Was verleitet den Menschen zu riskantem Verhalten und was können die Sicherheitsverantwortlichen für die Arbeitssicherheit dagegen tun?

Verleiten tun uns Unerfahrenheit und Routine. Darüber hinaus hassen die meisten Menschen Vorschriften. Falsche Ein- und Unterschätzung von Gefahren sind weitere Faktoren. Immer wieder beanspruchen wir bewusst oder unbewusst das „Glück“.

Beispielsweise fahren wir zu schnell und sind nicht kontrolliert worden. Wir arbeiten mit einer Trennmaschine ohne Schutzbrille und es ist nichts passiert. Die Erfahrung, dass oftmals nichts passiert, führt uns auf die falsche Fährte. Nun zum zweiten Teil der Frage, nämlich, was dagegen getan werden kann. Erstens muss das Thema Sicherheit omnipräsent sein. Zweitens müssen relevante Sicherheitsregeln im Betrieb aufgestellt und konsequent (vor-) gelebt werden. Arbeitssicherheit ist Führungsaufgabe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.